Die Baugeschichte der Sixtinischen Kapelle

Wann wurde die Sixtinische Kapelle gebaut?

Eine Chronologie der Entstehung – vom Bau der Kapelle bis zu Michelangelos Meisterwerken.

Die Sixtinische Kapelle wurde zwischen 1473 und 1481 erbaut. Doch die Geschichte ihrer künstlerischen Ausgestaltung erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und verschiedene Päpste hinweg.

Zeitleiste der Sixtinischen Kapelle

1473

Baubeginn

Papst Sixtus IV. beauftragt den Architekten Giovannino de' Dolci mit dem Neubau. Die alte Cappella Magna wird abgerissen.

1481

Fertigstellung & Weihe

Am 15. August 1481 wird die Kapelle feierlich der Jungfrau Maria geweiht. Der Bau dauerte etwa 8 Jahre.

1481-1483

Erste Fresken

Botticelli, Perugino, Ghirlandaio und andere Renaissance-Meister malen die Seitenwände mit Szenen aus dem Leben von Mose und Christus.

1508-1512

Michelangelos Deckenfresko

Papst Julius II. beauftragt Michelangelo mit der Ausmalung der Decke. Nach 4 Jahren intensiver Arbeit ist das Meisterwerk vollendet.

1536-1541

Das Jüngste Gericht

Papst Paul III. beauftragt Michelangelo mit dem monumentalen Fresko an der Altarwand. Der inzwischen 60-jährige Meister arbeitet weitere 5 Jahre.

1980-1999

Die große Restaurierung

Ein internationales Team restauriert die Fresken. Die Reinigung enthüllt Farben von ungeahnter Brillanz unter jahrhundertealtem Ruß und Schmutz.

Der Bau (1473-1481)

Die Sixtinische Kapelle wurde auf den Fundamenten der älteren Cappella Magna errichtet, die seit dem 14. Jahrhundert als päpstliche Kapelle diente. Papst Sixtus IV. entschied sich für einen kompletten Neubau, da das alte Gebäude baufällig war.

Der Architekt Giovannino de' Dolci entwarf ein schlichtes, rechteckiges Gebäude mit den exakten Maßen des Salomonischen Tempels aus der Bibel (Verhältnis 3:1 – Länge zur Breite):

Die Maße der Sixtinischen Kapelle

40,9m
Länge
13,4m
Breite
20,7m
Höhe

Michelangelos Deckenfresko (1508-1512)

Etwa 25 Jahre nach der Fertigstellung der Kapelle beauftragte Papst Julius II. den bereits berühmten Bildhauer Michelangelo mit der Neugestaltung der Decke. Die ursprüngliche Deckenmalerei – ein blauer Sternenhimmel – sollte durch etwas Spektakuläreres ersetzt werden.

Michelangelo arbeitete vier Jahre lang (1508-1512) praktisch allein auf einem speziell konstruierten Gerüst in etwa 20 Metern Höhe. Die Arbeit war körperlich extrem anstrengend – der Künstler malte im Stehen mit nach hinten geneigtem Kopf und hatte danach jahrelang Nackenprobleme.

Wussten Sie?

Michelangelo betrachtete sich selbst als Bildhauer, nicht als Maler. Er nahm den Auftrag zunächst widerwillig an, da er befürchtete, dass seine Konkurrenten ihn zum Scheitern bringen wollten. Das Ergebnis wurde jedoch sein größtes Meisterwerk.

Das Jüngste Gericht (1536-1541)

Mehr als 20 Jahre nach der Fertigstellung des Deckenfreskos kehrte Michelangelo zur Sixtinischen Kapelle zurück. Papst Paul III. beauftragte den inzwischen 61-jährigen Künstler mit einem monumentalen Fresko an der Altarwand.

Für dieses Werk mussten zwei ältere Fresken von Perugino entfernt werden. Michelangelo arbeitete weitere fünf Jahre an dem 180 Quadratmeter großen Gemälde, das über 400 Figuren zeigt.

Die große Restaurierung (1980-1999)

Im 20. Jahrhundert waren die Fresken durch Ruß von Kerzen, Feuchtigkeit und frühere „Restaurierungsversuche" stark verschmutzt. Von 1980 bis 1999 führte ein internationales Team unter der Leitung des Vatikans eine umfassende Reinigung durch.

Das Ergebnis war überraschend: Unter den dunklen Schichten kamen leuchtende Farben zum Vorschein, die Michelangelos Können in einem völlig neuen Licht zeigten. Die Restaurierung war jedoch auch umstritten – einige Kritiker meinten, sie sei zu radikal gewesen.

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